Blinker links

Es sind immer wieder die Momente, in denen sie alleine in ihrem Wagen den Heimweg beschreitet, die sie über all das Vergangene nachdenken lassen.

Sei es der hinter ihr liegenden Arbeitstag, in denen sie sich wieder mit der Beschaffung von Produktionsmaterial beschäftigt hat, fallende oder steigende Dollarkurse oder auch mal wieder das Getratsche der anderen über die Kollegin, die schon wieder zu viel Dekolletee zeigt….

Vor ihr liegt mal wieder ein stockender Verkehr, sie dreht die Musik auf, aus den Boxen hallt U2 mit „with or without you“ und der Sonnenuntergang verschwindet in der Ansammlung roter Bremslichter. Manchmal passiert es ihr auch, dass sich ihr Blick wie aus dem Nichts trübt. Alles verschwimmt vor ihr und das Leben scheint surreale Windungen mit sich zu bringen. Wie durch einen Schleier nimmt sie das Stop and Go vor sich wahr, ist sie in Gedanken doch wieder in ihrer Welt. Eine Welt, die perfekt zu sein scheint. Lächelnd und befreit beobachtet sie die genervten Fahrer, die von links und rechts langsam an ihr vorbei ziehen. Sind die Tränen, die in ihren Augen gefangen sind eine Art Demut vor dem Leben? Freude? Achtung? Glücksgefühl oder einfach nur Ausdruck ihrer Zufriedenheit?

Manchmal, manchmal passiert es wirklich: Ein kleine Lücke entsteht, man setzt klammheimlich den Blinker nach links, huscht ohne nachzudenken rüber, zufrieden mit dem Gedanken, auf der Überholspur gelandet zu sein.

Sie wischt sich ihre Tränen weg, alles Aufgestaute ist verschwunden und sie möchte nur eines: Ihre Lieben gleich in den Arm nehmen und den Tag mit ihnen gemeinsam abschliessen.

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